Die weltweite Nachfrage nach Chips steigt explosionsartig an und wird sich bis 2030 sogar verdoppeln. Europa will seine Abhängigkeit von Asien und den Vereinigten Staaten verringern und investiert daher massiv in die eigene Halbleiterbranche. In diesem Zusammenhang wurde im Oktober 2025 das ChipNL Competence Centre ins Leben gerufen: eine zentrale Anlaufstelle, die niederländische Unternehmen, Forscher und Bildungseinrichtungen bei Innovation, Skalierung und Zusammenarbeit im Bereich der Halbleitertechnologie unterstützt.
Geschäftsführerin Elly Zwartkruis sieht das Zentrum als ein wesentliches Bindeglied zur Stärkung sowohl der Niederlande als auch Europas, was nahtlos an die Ziele des European Chips Act anknüpft. „Das ChipNL Competence Centre ist eines von 30 Kompetenzzentren in Europa, die ein großes Netzwerk bilden, um gemeinsam die Chip-Innovation voranzutreiben. Wir sind eine Netzwerkorganisation, die Unternehmern hilft, im Bereich der Halbleitertechnologie schneller voranzukommen“, sagt sie. „Das tun wir mit technischem Fachwissen, Zugang zur Chips Design Platform, den EU-Pilotlinien, Geschäftsentwicklung, Talentförderung und Internationalisierung.“
Eine zentrale Anlaufstelle, landesweite Reichweite
Obwohl Zwartkruis' Arbeitsort Eindhoven ist, arbeitet das Zentrum ausdrücklich landesweit. "Alle Halbleiterregionen in den Niederlanden sind miteinander verbunden", unterstreicht Zwartkruis. "Von Delft und Twente bis Eindhoven und damit auch die Lifeport-Region. Unser Zentrum senkt die Hürden für Start-ups und kleinere Unternehmen. Das ChipNL Competence Centre bietet ihnen direkten Zugang zu führenden europäischen Infrastrukturen wie Pilotlinien und der EU Chips Design Platform. Außerdem können sie die in den Niederlanden vorhandenen Einrichtungen und Initiativen nutzen."
Maßgeschneiderte Beratung
Für viele kleine und mittlere Unternehmen ist ein eigener Reinraum oder ein millionenschweres Labor unerschwinglich. Das ChipNL Competence Centre hilft ihnen dabei, dennoch Zugang zu hochmodernen Einrichtungen zu erhalten, und begleitet sie während des gesamten Innovationsprozesses: „Wir prüfen sehr genau, welche Anforderungen ein Unternehmer hat und welche Pilotlinie oder welches Fachwissen am besten dazu passt“, so Zwartkruis. „Unternehmer werden nicht nur weitergeleitet, sondern wirklich begleitet.“
Neben technischer Unterstützung gibt es Hilfe bei der komplexen Materie der Fördermittel und Fonds. „Wir bieten selbst keine Finanzierung an, sondern führen Unternehmen durch die Landschaft der europäischen, nationalen und regionalen Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten. Gerade für KMU ist dieser Überblick über Finanzierungsinstrumente unerlässlich. Diese Unterstützung ist dank Beiträgen der Europäischen Kommission und des Ministeriums für Wirtschaft und Klima völlig kostenlos.“
Entwicklung von Talenten
Die wachsende Nachfrage nach Chips geht Hand in Hand mit einem fast explosionsartigen Bedarf an technischen Fachkräften. Die Niederlande arbeiten im Rahmen des landesweiten Projekts „Beethoven“ daran, 38.000 neue Techniker auszubilden.
„Es werden neue Nebenfachstudiengänge, Fieldlabs, Reinräume und praxisorientierte Programme eingeführt“, erklärt Zwartkruis. „Wir verknüpfen all diese Initiativen mit dem konkreten Bedarf der Unternehmen. Das tun wir für die berufliche Sekundarstufe (MBO), die Fachhochschulen (HBO), die Universitäten sowie für Fachkräfte, die sich weiterbilden oder umschulen lassen möchten. Talent-Matchmaking-Veranstaltungen sind ein wichtiges Instrument, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, sowohl für Studierende als auch für Menschen, die einen Karrierewechsel in Betracht ziehen.“
Medtech-Möglichkeiten in der Region
Gerade in der Lifeport-Region Arnheim-Nimwegen und in Wageningen bieten sich zahlreiche Chancen, da hier starke Kompetenzfelder zusammenkommen: einerseits Chipdesign, Packaging und Fertigungstechnologie; andererseits ein starkes MedTech-Ökosystem mit Universitäten, Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen.
„Energieeffiziente Chips gewinnen für medizinische Anwendungen und die Arzneimittelentwicklung zunehmend an Bedeutung“, erklärt Zwartkruis. „Wir wollen Akteure aus dem Technologie- und Medizinbereich aktiv zusammenbringen, gerade dann, wenn sie noch nicht von selbst zueinanderfinden.“
Photonik
Das Kompetenzzentrum ChipNL sieht in der Photonik eine Schlüsseltechnologie, in der die Niederlande bereits stark sind und in der es große Zukunftschancen gibt. "Photonische Chips sind energieeffizient und leistungsfähig und können für Bereiche wie das Gesundheitswesen, die Sensorik und die Kommunikation von großer Bedeutung sein", so Zwartkruis. "Unser Zentrum stimuliert Innovationen und initiiert Kooperationen in diesem Bereich durch gezielte Workshops, Ausstellungen und Besuche von Pilotlinien."
Unverzichtbarkeit in der Kette
Das ChipNL Competence Center betrachtet die übergeordnete Position der Niederlande innerhalb des europäischen Ökosystems und in der internationalen Wertschöpfungskette. Zwartkruis sieht Chancen, die Rolle der Niederlande, die derzeit oft als Zulieferer fungieren, zu stärken. „Es geht darum, in der Kette unentbehrlich zu sein“, erklärt sie. „Wo liegt deine Stärke, inwieweit hängt der Rest der Wertschöpfungskette von deinen Produkten oder Dienstleistungen ab? Die Niederlande haben eine starke Position und arbeiten an neuen Innovationen, um diese Position in Zukunft weiter zu festigen.“
Das Zentrum unterstützt Unternehmen bei der Skalierung, der Erschließung neuer Märkte und der Zukunftssicherung ihrer Technologie.
Gesellschaftliche Herausforderungen
Elly Zwartkruis: „Mit meinem Hintergrund in Wirtschaftspsychologie und Technik leiste ich gerne Pionierarbeit im Bereich Innovation. Vor allem in der Halbleiterindustrie sehe ich den Schlüssel zur Bewältigung unserer gesellschaftlichen Herausforderungen. Es ist eine wunderbare Aufgabe, gemeinsam mit verschiedenen Akteuren führendes Wissen für die niederländische und europäische Wirtschaft zugänglich zu machen.“
Das Ziel ist klar: „Wir hoffen, innerhalb eines Jahres zur Drehscheibe der niederländischen Halbleiterindustrie zu werden, in der Unternehmen zusammenkommen, um Innovationen zu beschleunigen und unsere internationale Position auszubauen.“
Lifeport Semicon Veranstaltung
In der Lifeport-Region arbeiten Unternehmen und Wissenseinrichtungen gemeinsam an Innovationen in der Chiptechnologie und der Chip-Verpackung. Diese Entwicklungen werden während des Lifeport Semicon Events im Januar 2026 im Mittelpunkt stehen.


