Davey Boss: "Man muss selbst nach Möglichkeiten suchen."
Als Davey Boss seinen Bachelor-Abschluss in Chemie an der Radboud-Universität begann, konnte er nicht ahnen, dass er einmal in der Chiptechnologie landen würde. Was als Interesse an der Materialwissenschaft begann, entwickelte sich zu einer Karriere bei NXP Semiconductors, wo er jetzt als Projektleiter für Radarprodukte für den Automobilsektor arbeitet.
Angewandte Forschung
Während seines Studiums stellte Boss fest, dass ihm angewandte Forschung mehr Freude bereitete als die reine chemische Synthese. „Die Materialwissenschaft sprach mich wegen der greifbaren Anwendungen und der Verbindung zur Industrie an“, erzählt er. Sein Interesse wurde durch das Fach „Condensed Matter Lab“ verstärkt, in dem er praktische Erfahrungen mit Materialien und deren Eigenschaften sammelte.
Dieses Interesse führte zu einem Praktikum bei der Gruppe „Applied Materials Science“ des Institute for Molecules and Materials (IMM) an der Radboud-Universität. Dort arbeitete er an innovativen LED-Technologien. „Das war ein völlig neues Konzept für mich, bei dem ich vieles selbst entdecken musste. Das machte es besonders spannend“, sagt Boss.
Davey Boss
Der Umzug zu NXP
Sein nächster Schritt war ein Praktikum bei NXP, eine Chance, die sich durch Gespräche mit Betreuern und Kommilitonen ergab. „Ich bekam eine Führung und konnte mir selbst aussuchen, welches Projekt am besten zu mir passte. Diese Freiheit fand ich sehr angenehm.“
Bei NXP arbeitete Boss mit der Elektronenrückstreubeugung (EBSD), einer Technik zur Analyse der kristallinen Struktur von Materialien. Seine Aufgabe bestand darin, Methoden für eine zuverlässige Probenvorbereitung zu entwickeln. „EBSD reagiert extrem empfindlich auf Defekte, die nicht nur die Messdaten beeinflussen, sondern auch die Leistung von Chips beeinträchtigen können.“
Was ihn besonders anzog, war die Zusammenarbeit mit Experten aus verschiedenen Disziplinen. „Man arbeitet mit Technikern zusammen, die schon seit vierzig Jahren im Geschäft sind, aber auch mit promovierten Wissenschaftlern, die den Überblick behalten. Das war enorm lehrreich.“
Vom Praktikum zur Festanstellung
Nach seinem Praktikum erhielt Boss ein Stellenangebot bei NXP. Seit November arbeitet er als Projektleiter an Radarprodukten für die Automobilbranche. „Hier kommen verschiedene Disziplinen zusammen: Chemie, Physik, Maschinenbau und Elektrotechnik. Das macht die Arbeit sehr dynamisch.“
Seine Arbeit fügt sich in die übergeordneten Ziele der Region Nijmegen im Bereich Health & High Tech ein. Das Projekt Beethoven, eine Initiative zur Talentförderung in der Halbleiterindustrie, knüpft daran an. „Es ist wichtig, dass wir in die Zukunft der Chiptechnologie investieren, denn sie bildet die Grundlage für Innovation und Wirtschaftswachstum in einer zunehmend digitalisierten Welt.“
Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. „NXP arbeitet gemeinsam mit Universitäten und anderen Unternehmen an umweltfreundlicheren Produktionsprozessen“, erklärt Boss. Ein Beispiel ist das NWO-Programm „Circular Circuits“, das untersucht, wie Chipabfälle durch effizientere und nachhaltigere Materialien reduziert werden können. Mit Unternehmen wie NXP, Nexperia und CITC auf dem Noviotech-Campus und der Radboud-Universität als Wissenspartner ist Nijmegen in dieser Entwicklung stark vertreten.
Ratschläge für Studenten
Boss ermutigt Studierende, aktiv nach Möglichkeiten in der Chiptechnologie zu suchen. „Vertieft euch in die Branche und findet heraus, welche Aspekte euch am meisten interessieren. Dabei ist Networking entscheidend. Scheut euch nicht, Unternehmen direkt mit einer gut durchdachten Idee oder dem Interesse an einem Praktikum anzusprechen.“
Laut Boss sind eine offene Haltung und das Ergreifen von Chancen unerlässlich. „Als Student scheint es manchmal ein großer Schritt zu sein, Kontakt zu Unternehmen aufzunehmen. Aber mein Rat lautet: Mach es einfach. Schick diese E-Mail, stell diese Fragen und finde heraus, was möglich ist. Die Halbleiterindustrie braucht Talente, und es gibt unzählige Möglichkeiten.“

