Sicherlich haben Sie sie schon einmal auf einer Baustelle oder einem Festival gesehen: mobile Stromaggregate. Sie machen ziemlich viel Lärm und stoßen Dieselabgase aus. Ein Dorn im Auge der Brüder Bleumer aus Arnheim. Sie haben sich eine umweltfreundlichere Alternative ausgedacht: solarbetriebene Stromaggregate.
Die Entstehungsgeschichte von Volta Energy klingt wie ein Kindheitstraum: gemeinsam mit dem Bruder in der Scheune der Eltern basteln. Mit einer umweltbewussten Mutter (Lehrerin für „Mensch & Natur“) und einem technisch versierten Vater (Leiter des technischen Dienstes und später Techniklehrer) steuert man da schnell in Richtung Energiewende. Schon in der Grundschule drehten sich die Referate um Biokraftstoff und Solarenergie.
Windpark
Nach dem Technasium entschied sich Bruder Luc für Elektrotechnik und Roel für Maschinenbau an der HAN University of Applied Sciences.
Roel (rechts im Bild): „In meinem zweiten Studienjahr fuhr ich einmal an einer Baustelle vorbei, auf der so ein schmutziger, umweltschädlicher Dieselgenerator vor sich hin brummte. Spät am Abend brummte es immer noch, und da wurde ein Gedanke in unseren Köpfen gesät. Ganz zufällig traf ich am Ende derselben Woche einen Windkraftberater. Zur Stromversorgung während der Informationstage in ihren Windparks mieteten sie einen Benzin- oder Dieselgenerator. Stell dir das mal vor: Windenergie-Experten, die noch fossile Brennstoffe nutzen! Um es kurz zu machen: Sie waren sofort an unserer Idee mit Solarstrom-Generatoren interessiert; wir durften vorbeikommen und darüber sprechen.“
Prototyp
Das ist schon etwas Besonderes: ein seriöses Unternehmen wie Green Trust, das so offen für die Ideen von zwei jungen Studenten ist. Roel: "Noch besser: Da wir selbst noch kein offizielles Unternehmen waren, durften wir unsere Ideen auf ihre Kosten umsetzen. Wir bestellten alle notwendigen Materialien auf deren Rechnungsadresse und ließen sie zu uns nach Hause liefern. Daraus entstand schließlich der erste Prototyp eines solarbetriebenen Generators, den Green Trust sogar für Tage der offenen Tür und Veranstaltungen mit auf die Straße nahm. Ich bin Jeroen und Klaas unendlich dankbar für ihr Vertrauen".
Nebenfach Unternehmertum
In der Zwischenzeit verlangten auch die Studien der Brüder Aufmerksamkeit. Roel: „2016 habe ich an der HAN einen Nebenfachstudiengang im Bereich Unternehmertum belegt. Dort wurde mir bei der Erstellung eines Businessplans wirklich sehr gut geholfen. Aber ich habe auch gelernt, wie wichtig Netzwerke sind. Als technischer Mensch ist man oft nicht besonders extrovertiert, aber man muss schon rausgehen, um herauszufinden, ob der Markt auf dein Produkt wartet.
Nach dem Nebenfach hatten wir noch ein halbes Jahr bis zum Abschluss. Glücklicherweise durften mein Bruder Luc und ich das in unserem eigenen Unternehmen absolvieren. Über Bekannte kamen wir mit der Stadt Arnheim in Kontakt. Sie wollten unsere Aggregate einsetzen, um Veranstaltungen in der Stadt nachhaltiger zu gestalten.“
Biokraftstoff-Backup
Es war höchste Zeit, das Basteln am „Solaranhänger“ in der Scheune ihrer Eltern auf eine professionelle Ebene zu heben. Am 1. Januar 2017 wurde Volta Energy gegründet. „Überall dort, wo es keine Steckdose gibt, wie zum Beispiel auf einer Wiese oder auf einer Baustelle, können wir Strom liefern. Nachhaltige Energie für mobile Standorte“, so Roel Bleumer.
Über die Stadt Arnheim gingen die ersten richtigen Aufträge ein. Roel: „Irgendwann im Jahr 2018 haben wir einen größeren Prototyp entwickelt, der ein Biokraftstoff-Backup-System nutzte. Denn es kann natürlich nicht sein, dass man keinen Strom hat, wenn die Sonne nicht scheint. Das Biodiesel-Aggregat schaltet sich bei Bedarf automatisch ein. So kann die Arbeit auch an bewölkten Tagen oder in der Nacht ungestört weitergehen.“
Brennstoffzellen
Nachhaltige Aggregate mit Solarmodulen, Batterien und Biokraftstoff machen nur fünf Prozent des Gesamtmarktes aus. 95 Prozent arbeiten nach wie vor mit herkömmlichen Dieselaggregaten und Hybrid-Diesel-/Batterie-Aggregaten. Roel: „Ein Verbrennungsmotor, wie wir ihn in unserem Hybridsystem einsetzen, ist bereits etwa dreimal so sauber wie ein herkömmliches Dieselaggregat. Da er wesentlich effizienter arbeitet und in Kombination mit dem Biokraftstoff, sparen wir 90 % derCO₂-Emissionen ein.
Unsere jüngste große Innovation besteht darin, dass wir nun keinen Verbrennungsmotor mehr verwenden, sondern sogenannte Brennstoffzellen. Eine Brennstoffzelle hat keine beweglichen Teile und arbeitet daher noch energieeffizienter. Diese umweltfreundlichen Brennstoffzellen sind nicht nur besser für die Umwelt als alte Dieselaggregate, sondern erfordern auch weniger Wartung, sind geräuschlos, stickstofffrei und verursachen keine Geruchsbelästigung.“
Besserer, sauberer Planet
Die ersten Prototypen mit Methanol-Brennstoffzellen wurden bereits vermietet. Der Auftraggeber bemerkt keinen Unterschied, handelt aber inzwischen deutlich nachhaltiger. Leider legen die meisten Auftraggeber vor allem Wert auf günstigere Lösungen und weniger auf sauberere und nachhaltigere. Roel: „Ja, das finde ich manchmal schon sehr schwierig. Wenn man wirklich etwas bewegen will, reichen die Early Innovatorsnicht aus. Die breite Masse teilt noch nicht immer unseren Idealismus von einem besseren, saubereren Planeten.
Mit Volta Energy wollen wir unseren Beitrag zur Energiewende leisten. Und mit mittlerweile 40 Kollegen kann man wirklich etwas bewirken. Viele Techniker sind wirklich nette Leute, daher fühlt es sich wie ein angenehmer, ehrgeiziger Kreis an, der sich auch gerne für das einsetzt, was uns wichtig ist. Das schweißt enorm zusammen.“
Internationale und vollständigCO2-neutrale Organisation
Und die Zukunft? „In etwa drei Jahren werden wir von 300 auf 2000 Systeme gewachsen sein. Wir möchten gerne in ganz Europa tätig sein. 90 Prozent unserer Aggregate stehen derzeit in den Niederlanden, dazu kommen einige in Belgien. Im vergangenen Jahr hatten wir ein Projekt in Italien, und derzeit sind einige Systeme in Ungarn im Einsatz. Deutschland rückt nun etwas stärker in den Fokus.
Außerdem hoffen wir, dann ein vollständigCO₂-neutrales Unternehmen zu sein. Die Autos, die unsere Anhänger ziehen, fahren leider noch mit Benzin oder Diesel, und unser Produktionsstandort wird zwar mit Ökostrom betrieben, aber noch nicht mit selbst erzeugtem Strom.“
Und ist das Basteln in der Scheune nun wirklich vorbei? Roel lacht: „Nein, ganz und gar nicht. Zufällig habe ich kürzlich mein Privatfahrzeug so umgerüstet, dass es mit Ethanol fahren kann. Zum Glück bleiben mir noch genug Samstage und Abende dafür.“
Der technische Betrieb der Biomethanol-Brennstoffzellen in den Solargeneratoren im Diagramm
- Nachhaltige Rohstoffe: Pflanzenreste, andere Abfälle oder Biomethan aus Kläranlagen bilden die Grundlage.
- Methanolproduktion: Pflanzenreste und Biomethan werden in Methanol umgewandelt.
- Energieerzeugung: Die Methanol-Brennstoffzelle wandelt Methanol inCO2, Wasser und Strom um.
- Ununterbrochene Energieversorgung: Die Nutzer können immer Strom aus dem System beziehen, auch bei schlechtem Wetter und im Winter.
- Solarenergie: Sonnenkollektoren erzeugen direkt nutzbaren Strom oder speichern ihn in Batterien.
- Energiespeicherung: Batterien
Foto: © Jan Ruland van den Brink


