Nach 41 Jahren in der Halbleiterbranche vollzieht Robin Stal einen besonderen Wechsel. Seit dem 1. Oktober arbeitet er beim ROC Nijmegen als Berater für Bildungsentwicklung im Bereich Halbleiter. Seine Mission? Den Studierenden die Welt der Halbleiter näherbringen und Bildung und Wirtschaft besser miteinander zu vernetzen. Denn laut Robin gibt es hier zahlreiche Chancen.
„Die Halbleiterbranche ist eine riesige, dynamische Welt. Nur wissen viele Menschen noch nicht, was alles dahintersteckt.“
Dass Robin selbst in der Halbleiterbranche landete, war eigentlich Zufall. Nach der LTS MTS, wo er Elektronik studierte, kam er für ein Praktikum zu Philips. Daraus wurde später NXP. Er begann in der Instandhaltung und bekleidete in den folgenden Jahren verschiedene Positionen, darunter die eines Teamleiters. In den letzten acht Jahren war er Leiter des Sample-Centers. Vor allem die Arbeit mit Menschen und deren Förderung interessierte ihn immer mehr. Und obwohl er all die Jahre bei derselben Organisation tätig war, hatte er keineswegs das Gefühl, 41 Jahre lang immer dasselbe getan zu haben. „In der Halbleiterbranche kann man sehr lange eine abwechslungsreiche Karriere verfolgen. Man hat alle Möglichkeiten.“

Robin Stal
Eine Welt, die viel größer ist, als man denkt
Was Robin in all den Jahren besonders in Erinnerung geblieben ist, ist die Dynamik der Branche. Neue Technologien folgen schnell aufeinander, und die Arbeit hat einen globalen Charakter. Er selbst arbeitete mit Kollegen in Asien, Europa und Amerika zusammen. „Es ist schön, an Dingen arbeiten zu können, die wirklich wichtig sind. An neuen Entwicklungen auf globaler Ebene.“ Auch KI spielt dabei eine immer größere Rolle. Robin sieht KI nicht so sehr als Ersatz für die eigentliche Arbeit, sondern vor allem als Hilfsmittel, um intelligenter und schneller zu arbeiten und weiter zu wachsen.
Gleichzeitig sieht er ein großes Problem: Viele Menschen haben kaum eine Vorstellung davon, was die Halbleiterindustrie eigentlich ist. Wer an Halbleiter denkt, denkt vielleicht an Chips, Wafer und Mitarbeiter in Schutzanzügen in einer Fabrik. Doch dahinter verbirgt sich eine viel größere Welt. Chips müssen nicht nur entworfen und hergestellt werden. Es sind auch Maschinen, Materialien, Software, Anlagen, Werkzeuge und alle möglichen anderen Fachgebiete erforderlich, um dies zu ermöglichen.
Genau das hat Robin bemerkt, als er bei NXP Führungen leitete. Sobald die Besucher sehen konnten, wie aus einem Chip letztendlich ein brauchbares Produkt wird, waren sie voller Staunen. „Man sah, wie die Leute dachten: Steckt das alles dahinter? Sie gingen nach Hause und sagten: Wie schön das doch ist!“ Laut Robin ist genau das notwendig, um mehr Menschen zu begeistern. Zu zeigen, was die Halbleiterindustrie tatsächlich ausmacht.
Für Macher, Denker und Handelnsfreudige
Dazu gehört auch, dass sich das Bild davon, wer in der Branche arbeiten kann, deutlich erweitert. Denn laut Robin dreht sich in der Halbleiterbranche sicherlich nicht alles nur um technische Ingenieure. „Die Branche braucht Menschen auf allen Ebenen. Von Monteuren, Bedienern und Technikern bis hin zu Softwareentwicklern, Forschern, Analysten und Managern: Die Bandbreite ist groß. Und darüber hinaus sind unzählige Menschen bei Unternehmen rund um die Chiphersteller selbst beschäftigt.“
Genau das macht den Sektor laut Robin für junge Menschen interessant. Es gibt viele verschiedene Wege, in die Branche einzusteigen und sich anschließend weiterzuentwickeln.
„Zeigen Sie den Studierenden, wie sie sich in einem Unternehmen weiterentwickeln können. Welche Schritte man unternehmen kann. In dieser Branche passiert so viel. Man kann dort vierzig Jahre lang arbeiten, ohne dass ein Tag wie der andere ist.“

Ein neues Kapitel am ROC Nijmegen
Von NXP zum ROC Nijmegen
Seit dem 1. Oktober bringt Robin seine langjährige Praxiserfahrung beim ROC Nijmegen als Berater für Bildungsentwicklung im Bereich Semicon ein. Er selbst sieht seine Rolle vor allem als Vermittler. Er kennt die Wirtschaft, verfügt über ein großes Netzwerk in der Region und weiß aus der Praxis, welches Wissen und welche Fähigkeiten Unternehmen benötigen.
Sein Wechsel passt gut zu den Entwicklungen, die innerhalb von Lifeport Regio Arnheim-Nimwegen mit dem „Talentplan Semicon“ in Gang gesetzt wurden. Nicht zuletzt dank der finanziellen Impulse durch das Projekt Beethoven wird in der Region zusätzlich in die Ausbildung, Gewinnung und Bindung von Talenten für den Halbleiterbereich investiert. Ein wichtiger Bestandteil davon ist die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft, damit die Ausbildungsgänge besser auf die Praxis abgestimmt sind und mehr Studierende die Möglichkeiten im Halbleiterbereich kennenlernen.
Und diese Verbindung ist laut Robin dringend notwendig. Als er selbst zum ersten Mal das technische Ausbildungszentrum des ROC Nijmegen besuchte, kam er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. „Mein erster Gedanke war: Hier hätte ich schon vor zehn Jahren herkommen sollen.“
Er erkannte dort Wissen, Ausrüstung und Möglichkeiten, die er aus der Wirtschaft schon viel früher hätte nutzen können. Umgekehrt sieht er Ausbildungsgänge und Fähigkeiten, die hervorragend zur Halbleiterbranche passen, von den Studierenden jedoch überhaupt nicht als solche erkannt werden.
Lernen durch Beobachten und Ausprobieren
Praktika, Unternehmensbesuche, Gastvorlesungen und Praxisaufgaben sind laut Robin daher unverzichtbar. Nicht nur Studierende müssen Unternehmen besser kennenlernen. Auch Unternehmen müssen viel besser wissen, was im Bildungswesen geschieht.
Dabei setzt sie sich für eine offene und strukturelle Zusammenarbeit ein. Nicht nur gelegentliche Besuche oder Projekte, sondern ein ständiger Dialog zwischen Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft, in dessen Rahmen gemeinsam konkrete Aufgaben entwickelt werden.
Das ist auch ein wichtiger Grund, warum Robin von seiner neuen Rolle begeistert ist. „Ich möchte wirklich, dass Bildung und Wirtschaft viel enger miteinander verflochten werden. Dass mehr Zusammenarbeit und mehr gemeinsame Projekte entstehen. Es muss viel fließender ineinander übergehen.“
Eine Chip-Region voller Möglichkeiten
Gerade in Arnheim-Nimwegen sieht Robin hierfür zahlreiche Möglichkeiten. In und um die Region herum gibt es eine hohe Konzentration von Unternehmen, die jeweils einen anderen Teil der Halbleiterkette abdecken – von der Chipfertigung bis hin zu Maschinen, Werkzeugen und anderen spezialisierten Technologien. Dennoch, so sagt er, ist vielen jungen Menschen kaum bewusst, was alles direkt vor ihrer Haustür geschieht.
Das möchte er ändern. Indem er die Branche nicht komplizierter macht, als nötig, sondern sie vielmehr sichtbar und greifbar macht. Indem er zeigt, was dort hergestellt wird, wer dort arbeitet und wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt.
Was ist seine Botschaft an Studierende, die noch nie über eine Zukunft in der Halbleiterbranche nachgedacht haben?
„Hier eröffnet sich dir eine unglaublich spannende, dynamische Welt. Das kann technischer Natur sein, aber auch alles, was damit zusammenhängt. Es gibt so viele Möglichkeiten.“
Und genau diese Welt möchte Robin für viel mehr Studierende sichtbar machen.

