Die Energiewende erfordert nicht nur neue Erzeugungskapazitäten aus Sonne und Wind, sondern vor allem auch intelligente Wege, diese Energie lokal zu nutzen. In der Region zwischen Nijmegen, Wijchen und Beuningen wird daher an einem regionalen Smart-Energy-Hub gearbeitet: einem Knotenpunkt, an dem Angebot und Nachfrage zusammenlaufen und an dem der Ausgleich im Mittelpunkt steht.
Im Jahr 2024 begann eine umfassende Machbarkeitsstudie zu den Möglichkeiten eines regionalen Hubs. Marieke Butterhoff war die Programmleiterin dieser Studie. „Wir haben untersucht, wie wir regionale Solar- und Windenergie erschließen können. Im Laufe dieses Prozesses sind wir auf verschiedene Interessengruppen gestoßen.“ Vor allem wurden Daten analysiert, Gespräche mit Kommunen und Entwicklern geführt und Szenarien ausgearbeitet. Auch die Rolle von Wasserstoff wurde untersucht, beispielsweise als Puffer für Stromspitzen.
Marieke Butterhoff
Darüber hinaus läuft eine ergänzende Studie, die speziell auf das Gewerbegebiet Bijsterhuizen ausgerichtet ist. Diese wird von der Gemeinde Wijchen und der Provinz Gelderland finanziert. Selçuk Başkan, Projektleiter des Smart Energy Hub, leitet dieses Vorhaben. In seiner Funktion bei der Gemeinde Wijchen setzt er sich dafür ein, die Energieprobleme so zu lösen, dass das Unternehmensklima in der Region auch in den kommenden Jahrzehnten attraktiv und zukunftssicher bleibt. Başkan: „Die Studie befasst sich mit der Frage, wie die geplante Erweiterung im westlichen Teil des Geländes nachhaltig mit Energie versorgt werden kann. Sie bildet eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte.“
Selçuk Başkan
Bijsterhuizen als Schwerpunkt
Bijsterhuizen ist mittlerweile zum Schwerpunkt der Diskussion geworden. Vor allem der geplante Ausbau stellt hohe Anforderungen an die zukünftige Energieversorgung. Da Liander die erforderliche Kapazität dort nicht bereitstellen kann, wird nun die Einrichtung eines sogenannten geschlossenen Verteilungssystems (GDS) geprüft.
„Ein GDS ist ein separates, privates Stromnetz innerhalb eines abgegrenzten Gebiets“, erklärt Başkan. „Es verfügt in der Regel über einen einzigen Anschluss an das öffentliche Netz, woraufhin ein eigener Betreiber für die Verteilung und Instandhaltung verantwortlich ist. Dadurch können Unternehmer innerhalb des Gebiets ihre Energieversorgung besser organisieren und nutzen, unabhängig von den Einschränkungen des öffentlichen Netzes.“ In diesem Prozess spielt der Prozesskoordinator Tycho Tomassen eine Schlüsselrolle: Als Dreh- und Angelpunkt sorgt er dafür, dass die vielen beteiligten Parteien zueinanderfinden und die Zusammenarbeit in Gang bleibt.
Das Kernteam steht zudem in regelmäßigem Austausch mit dem Netzbetreiber. Ziel ist es, die Kopplung von Erzeugung und Verbrauch tatsächlich lokal zu gestalten und auf eine reibungslose Anbindung zwischen dem zukünftigen GDS und dem bestehenden Bijsterhuizen hinzuarbeiten.
Energiegenossenschaft in Gründung
Parallel zu diesen Entwicklungen wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die die Gründung einer Energiegenossenschaft vorbereitet. Das Ziel ist klar: Es soll sichergestellt werden, dass weiterhin ausreichend Leistung zur Verfügung steht, damit Unternehmen wachsen und ihren Betrieb aufrechterhalten können, ohne dass der Stromanschluss zum limitierenden Faktor wird.
Eine Genossenschaft ermöglicht es zudem, als Kollektiv Fördermittel zu beantragen und die Interessen der Unternehmer gegenüber Behörden und Netzbetreibern gemeinsam zu vertreten. Der Vorsitzende des Unternehmerverbands, Pieter Bergshoeff, spielt dabei eine unverzichtbare Rolle. Er sorgt dafür, dass die Interessen der Unternehmer fest in den getroffenen Entscheidungen verankert sind und dass die Pläne auf die Gegebenheiten des Gewerbegebiets abgestimmt sind. Die Energiegenossenschaft ist dabei keineswegs ein Ersatz für den Unternehmerverband. Sie konzentriert sich voll und ganz auf die energiepolitischen Herausforderungen des Gewerbegebiets.
„Durch maßgeschneiderte Lösungen können wir ganz konkret einen Teil des Problems lösen. Und zwar schon jetzt“, so Bergshoeff. „Ich stelle fest, dass dabei gut zusammengearbeitet wird. Unternehmer müssen das Gefühl haben, dass sie im Gegenzug für ihren Einsatz etwas zurückbekommen. Das versprechen wir ihnen. Deshalb wollen fast alle mitmachen, wenn wir sie ansprechen. Wir dürfen einen Blick hinter die Kulissen werfen.“
Die Zusammenarbeit nimmt zu
Die Energieprofile der Unternehmen wurden jetzt vom Forschungsunternehmen Cinergie kartiert. Başkan:
"Diese Forschung zeigt, dass ein Großteil des Problems hinter dem Zähler gelöst werden kann. Denken Sie an die Installation von Batterien, die Optimierung von Prozessen und Energiesparmaßnahmen mit kurzer Amortisationszeit. Solche Maßnahmen nehmen kurzfristig den Druck, bieten aber keinen Freibrief für einen unbegrenzten Energieverbrauch in der Zukunft. Strukturelle und kollektive Lösungen bleiben unverzichtbar.
Butterhoff hat beobachtet, wie die Zusammenarbeit in der Region zugenommen hat. „Wir haben verschiedene Akteure auf den Plan gerufen. Sie haben nun wirklich das Ziel, Bijsterhuizen mit Strom zu versorgen, und arbeiten dabei sehr gut zusammen. In der Region ist viel in Bewegung, mehr als zuvor.“ Auch Başkan sieht positive Entwicklungen. „In letzter Zeit wurden viele Dinge durchgerechnet. Wir rechnen mit einer Energieversorgung von fast hundert Prozent im neuen Teil von Bijsterhuizen, sofern sich die Pläne nicht wesentlich ändern.“
Der Smart-Energy-Hub rund um Bijsterhuizen ist mehr als nur eine Antwort auf Netzengpässe. Durch eine bessere Abstimmung von Angebot und Nachfrage vor Ort erhalten Unternehmer die Kontrolle über ihre Energiepreise, und die Abhängigkeit von der landesweiten Infrastruktur wird verringert. Damit ist es nicht nur eine technische Lösung, sondern vor allem ein Schritt hin zu einem nachhaltigeren und zukunftssicheren Gewerbegebiet. Butterhoff: „Ein dezentraler Umgang mit Energie ist langfristig einfach kostengünstiger und klüger, als nur die Autobahn zu verbreitern.“



