Wie bringt man Kinder dazu, sich öfter zu bewegen? Im Arnheimer Stadtteil Elderveld lautet die Antwort: indem man sie selbst fragt. Im „Junior Beweegteam“ denken Grundschüler mit über Spielen, Bewegung und ihr eigenes Lebensumfeld nach. Das liefert nicht nur bessere Ideen für den Stadtteil, auch Studenten und Fachleute lernen davon.
Ein Spielplatz, der eine Renovierung vertragen könnte. Mehr Möglichkeiten zum Spielen im Freien. Pausen, die an der einen Schule länger dauern als an der anderen. In Elderveld, einem Stadtteil von Arnheim-Süd, erhalten Kinder die Chance, hier selbst etwas zu verändern.
Acht Schüler der 7. und 8. Klasse der Grundschulen „De Klimboom“ und „De Kringloop“ bilden gemeinsam das „Junior-Bewegungsteam“. Sie sammeln Ideen bei anderen Kindern, untersuchen, was verbessert werden kann, und organisieren Aktivitäten. So beteiligen sich die Junioren aktiv an der Forschung zum Thema Spielen im Freien, denken mit bei der Entwicklung einer Spieltasche für draußen und testen diese, und organisieren Aktivitäten, beispielsweise anlässlich der Eröffnung eines Spielcontainers im Stadtteil.

Sport und Bewegung in Elderveld
Bewegung und Spielen im Freien
Das „Junior Beweegteam“ entstand im Rahmen eines umfassenderen Arnheimer Ansatzes, um Kindern mehr regelmäßige Bewegung zu ermöglichen. Das Ziel: Jedes Kind soll sich fünf Stunden pro Woche bewegen – während der Schulzeit, nach der Schule und im Stadtteil. Dieser sogenannte 2+1+2-Ansatz verbindet Bewegung in der Schule mit dem, was außerhalb der Schule geschieht. Fachlehrer, Nachbarschaftssportcoaches und Sportanbieter arbeiten dafür im „Senior Beweegteam“ zusammen.
Geert Geurken, strategischer Berater für Sport bei Sportbedrijf Arnhem: „Das ist wichtig, denn ausreichend Bewegung und Spielen im Freien sind nicht für alle Kinder selbstverständlich. Zudem sind die Chancen, gesund und aktiv aufzuwachsen, nicht überall gleich. Der Arnheimer Ansatz legt daher einen besonderen Schwerpunkt auf Stadtteile, in denen gesundheitliche Benachteiligungen größer sind.“
Praktikantin Ella Hensen (4. Studienjahr Sportwissenschaft, HAN Akademie für Sport und Bewegung):
„Ich halte das Junior-Bewegungsteam für wichtig, da Kinder von sich aus immer seltener draußen spielen. Die Aktivitäten bringen Kinder miteinander in Kontakt und in Bewegung.“
Nachfrageorientiertes Angebot
Geert: „Um zu vermeiden, dass wir zu sehr angebotsorientiert denken, ist es wichtig, die Zielgruppen selbst einzubeziehen. Die acht Schüler organisieren nicht nur die Aktivitäten, sondern vertreten auch andere Kinder. Sie gehen zum Beispiel in ihre Klasse, um Ideen zum Spielen im Freien zu sammeln. Indem man im Stadtteil experimentiert und untersucht, was funktioniert und was nicht, kommt man Lösungen näher, als wenn man neue Angebote entwickelt und abwartet, wer darauf anspringt.“
Naomi (8. Klasse), Junior-Bewegungsteam Elderveld:
„Wir können Kindern helfen, öfter draußen zu spielen und sich mehr zu bewegen.“
Fahrradfahren
Bei Bewegung denkt man schnell an Sport und Spielen im Freien. Aber auch das Beherrschen von Radfahren und Schwimmen hilft Kindern, aktiv und selbstständig teilzunehmen. Daher geht es bei dem Ansatz in Elderveld nicht nur darum, Aktivitäten zu organisieren, sondern auch um Fähigkeiten, die Kindern mehr Bewegungsfreiheit verschaffen.
„Dabei kann auch die lokale Wirtschaft eine Rolle spielen. So hat Decathlon beispielsweise an einer ‚Skillsbox‘ für Sport und Spiel in den Schulpausen mitgewirkt. Andere Unternehmen können Zeit, Geld, Fachwissen oder Materialien beisteuern. Man denke beispielsweise an verstellbare Fahrräder, mit denen Kinder ihre Fahrradfähigkeiten üben können“, so Geert Geurken.

Zusammenarbeit in Elderveld
Das Stadtviertel als Lernumgebung
Nicht nur die Kinder lernen in Elderveld, auch für Studierende und Fachleute ist das Viertel ein Ort, an dem sie erforschen können, was in der Praxis funktioniert. Jasper de Greef, Dozent und Forscher an der HAN-Akademie für Sport und Bewegung: „In Elderveld arbeiten wir als HAN University of Applied Sciences an einem physischen Standort im Stadtteil eng mit dem Sportunternehmen Arnhem zusammen, um Sport- und Bewegungsfachkräften dabei zu helfen, Kinder zu mehr und besserer Bewegung zu motivieren. Unsere Studierenden, unter anderem aus den Studiengängen ALO und Sportwissenschaft, betreuen die Junioren und betreiben Forschung. So arbeiten sie an echten gesellschaftlichen Fragestellungen und sehen, was ihr Engagement bewirkt. Diese Art der Zusammenarbeit wird auch als ‚Living Lab‘ bezeichnet.“
Jasper de Greef:
„Lernen und Forschen finden nicht nur innerhalb einer Bildungseinrichtung statt, sondern gerade auch mitten in der Gesellschaft.“
Mitmachen und mitdenken
Wer schon als Kind Freude an Bewegung entwickelt, legt den Grundstein für ein aktives und gesundes Leben. Das „Junior Beweegteam“ zeigt aber auch, dass es bei Gesundheit um Teilhabe, Chancengleichheit und Einfluss auf das eigene Lebensumfeld geht. Gerade durch die Zusammenführung von Eltern, Fachleuten, Bildungseinrichtungen und Forschung entsteht Wissen darüber, was in der Praxis funktioniert.
Die Erkenntnisse aus Elderveld können auch anderen Stadtteilen und Gemeinden in der Lifeport-Region Arnheim-Nimwegen dabei helfen, ein gesundes Umfeld zu schaffen, in dem Kinder mitwirken und mitdenken. So erleben sie schon in jungen Jahren, dass sie selbst etwas bewegen können.


