Für Frauen, die durch Vulvakrebs einen Teil ihrer Klitoris verlieren, wurde erstmals eine Rekonstruktion der Klitoris entwickelt. Dies geschieht vierzig Jahre nach der ersten Penisrekonstruktion. Bei der ersten Patientengruppe sind die Ergebnisse vielversprechend.
Eine Operation bei Vulvakrebs kann Leben retten, aber auch das Sexualleben von Frauen erheblich verändern. „Wenn sich der Tumor in oder um die Klitoris befindet, müssen wir diese manchmal teilweise entfernen“, erklärt die gynäkologische Onkologin Mieke ten Eikelder vom Radboudumc. „Bislang wurde die Wunde anschließend verschlossen, und die Klitoris verschwand unter einer Hautschicht. Dabei wurde weder auf die Lebensqualität geachtet noch darauf, ob ein Orgasmus noch möglich ist.“
Für den Penis stammt die erste Wiederherstellungsoperation nach einer Krebserkrankung bereits aus dem Jahr 1987. Höchste Zeit, auch die Wiederherstellung der sexuellen Funktion der Klitoris voranzutreiben. Der plastische Chirurg Tim Nijhuis entwickelte daher gemeinsam mit Ten Eikelder eine neue Operationstechnik. Nijhuis: „Sobald der Tumor entfernt ist, werden die Nervenbündel gelöst und so verschoben, dass eine neue Klitorisspitze entsteht. Anschließend legen wir ein Stück Wangen-Schleimhaut darüber. Denn die Wangen-Schleimhaut ähnelt dem Gewebe im Bereich der Vulva.“ So bleibt die Empfindlichkeit der Klitoris erhalten.
Klitoraler Orgasmus
Von den ersten 23 Frauen mit Vulvakrebs, bei denen eine Operation mit Wiederherstellung der Klitoris durchgeführt wurde, konnten 90 Prozent nach dem Eingriff wieder einen klitoralen Orgasmus erleben. Dies geschah drei bis sechs Monate nach der Operation. Ten Eikelder: „Anfangs ist die Klitoris manchmal etwas überempfindlich oder gerade weniger empfindlich, aber nach einem Jahr ist die Genesung optimal. Wir stellen fest, dass bei den meisten Frauen das Empfinden wieder dem Zustand vor der Operation entspricht.“
In den Niederlanden erkranken jährlich etwa 450 Frauen an Vulvakrebs. Bei einem Viertel davon ist die Klitoris oder der umliegende Bereich betroffen. Die Wiederherstellung der Klitoris erfordert bei diesen Frauen eine um fünfzehn Minuten verlängerte Operationszeit. Neben Vulvakrebs kann diese Wiederherstellungstechnik auch nach Genitalverstümmelungen helfen.
Ausbildung in anderen Zentren
Die Klitorisrekonstruktion wird nun im Rahmen wissenschaftlicher Forschung landesweit eingeführt. Neben dem Radboudumc behandeln noch acht weitere Krankenhäuser Vulvakrebs. Sie alle beteiligen sich an einem Folgeprojekt, in dem die gynäkologischen Onkologen und plastischen Chirurgen die neue Technik erlernen. Darüber hinaus bilden Nijhuis und Ten Eikelder derzeit ausländische Fachärzte aus.
Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, doch die Forscher betonen, dass sie die Technik noch weiter untersuchen müssen. Daher werden sie gemeinsam mit anderen niederländischen Krankenhäusern und mit finanzieller Unterstützung der KWF untersuchen, ob die Behandlung tatsächlich zu einer Verbesserung der sexuellen Funktion und der Lebensqualität führt und wie sie die Technik sicher und effektiv in der täglichen Pflege anwenden können.
Mehr Informationen unter
Wenn Sie wissen möchten, ob diese Operationstechnik für Sie geeignet ist, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt. Patientinnen können sich hierfür an das Radboudumc wenden oder in naher Zukunft auch an andere Zentren in den Niederlanden.
Die Ergebnisse der ersten 18 Patientinnen sind in dieser Veröffentlichung beschrieben:
Klitorisrekonstruktion bei Patientinnen mit Vulvakarzinom. Ten Eikelder M, Veldmate G, Pettai F, Schepens-Franke A, de Hullu J, Nijhuis T. DOI: 10.1016/j.ygyno.2026.07.013.
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Radboudumc


