An der HAN University of Applied Sciences (HAN) ist Nachhaltigkeit kein Nebenaspekt, sondern ein integraler Bestandteil von Lehre, Forschung und Zusammenarbeit.
Karin van Haren ist Programmleiterin für Kreislaufwirtschaft im Rahmen des Programms „Sustainable Energy and Environment“ (SEE). In dieser Funktion setzt sie sich täglich für eine sauberere Welt ein.
Ihre Mission: Jeder Absolvent muss wissen, wie er oder sie im Bereich der Nachhaltigkeit etwas bewirken kann, unabhängig vom Fachgebiet.
Verbinden ist das Schlüsselwort
Begeistern, vernetzen und beschleunigen bilden den Kern ihres Ansatzes. „Begeistern ist der Ausgangspunkt: Menschen inspirieren, motivieren und ihnen helfen, Nachhaltigkeit in ihrer Arbeit zu verankern. Aber es geht noch darüber hinaus. Vernetzung ist unerlässlich – zwischen den Disziplinen, zwischen Lehre und Forschung sowie zwischen der HAN und der Praxis.“

Eine besondere Art der Verbindung ist der „Deep Time Walk“. Karin ist als Begleiterin für diesen 4,6 Kilometer langen Spaziergang ausgebildet, der symbolisch für die 4,6 Milliarden Jahre lange Geschichte der Erde steht. „Man geht langsam, erlebt die Evolution und wird sich bewusst, wie jung unser industrieller Einfluss ist. Es ist eine Erfahrung, die die Menschen buchstäblich näher an die Natur bringt. Ich glaube, dass Kreislaufwirtschaft, die man überall in der Natur sieht, selbstverständlich wird, wenn sich die Menschen stärker mit der Natur verbunden fühlen.“
Nachhaltigkeit in der Gesundheitsversorgung
Ein konkretes Beispiel für diese Beschleunigung ist die Freistellung von Zeit und Ressourcen für Lehrkräfte, die Nachhaltigkeit in ihren Unterricht integrieren möchten. So erhielt beispielsweise eine Lehrkraft im Fach Pflege den Freiraum, an einem zukunftsfähigen Lehrplan zu arbeiten. „Auch im Gesundheitswesen kann man zirkulär denken“, erklärt Karin. „Man denke nur an den Materialverbrauch in der Akutversorgung. Derzeit werden oft sechs Plastiktüten geöffnet, von denen letztendlich nur wenige Artikel verwendet werden. Der Rest wird weggeworfen.“
Dank dieser Bemühungen wird Nachhaltigkeit zu einem festen Bestandteil der Lernergebnisse. Jeder Studierende der Krankenpflege lernt dies nicht als Zusatz, sondern als selbstverständlichen Teil des Fachs.
„Niemand weiß genau, welches Wissen in Zukunft benötigt wird. Aber durch Zusammenarbeit lernt man gemeinsam. Und genau das tun wir hier.“
Der Campus als Labor
Die HAN nutzt ihren eigenen Campus als Testfeld für die Forschung im Bereich Nachhaltigkeit. Ein Beispiel ist die Mobilitätswende: Wie gelangen Studierende und Mitarbeiter zum Campus, und wie lässt sich dies nachhaltiger gestalten? Weitere Beispiele: Rolltreppen wurden abgeschaltet, und Mitarbeiter wurden auf ihre Entscheidungen in der Kantine angesprochen.
Dabei arbeiten Forscher und Studierende gemeinsam an Lösungen, wie zum Beispiel Verhaltensinterventionen.
Auch kreative Maßnahmen wurden ergriffen: Parkplätze wurden vorübergehend mit Bäumen in rollbaren Kisten belegt, die von der Stadt Arnheim gespendet wurden. „Die Leute waren nicht begeistert“, lacht Karin. „Aber es zeigt, wie selbstverständlich manche Dinge geworden sind. Das regt zum Nachdenken an.“
Der Campus wird in diesem Jahr tatsächlich mit den Bäumen und nach dem Entwurf der Studierenden begrünt. „Das ist natürlich sehr schön, dass man etwas auch wirklich in die Praxis umsetzt.“
Ein weiteres kreatives Beispiel ist „Untamed Kombucha“, das eine Tasche aus Reststoffen von Kombucha herstellt – entwickelt von Forschern der HAN in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. „Es ist kein Leder, sieht aber so aus. Ein wunderbares Beispiel für biobasiertes Leder in der Praxis.“
Die InfraWall
Eines der sichtbarsten Ergebnisse der Ausbildung und Forschung im Bereich der Kreislaufwirtschaft ist die InfraWall entlang der A348. Diese multifunktionale Lärmschutzwand, die von HAN-Studierenden entworfen wurde, leistet mehr als nur Lärmschutz. Sie fängt Wasser auf, fördert die Artenvielfalt, gewinnt Solarenergie und sorgt für Kühlung. Hergestellt aus biobasierten Materialien und modular aufgebaut, ist sie ein Paradebeispiel für zirkuläre Innovation.
„Das Schöne daran ist, dass Studierende verschiedener Studiengänge daran mitgearbeitet haben“, erzählt Karin. „Vom Industriedesign über Maschinenbau und Bauingenieurwesen bis hin zur Biologie. Und das Ergebnis steht tatsächlich da. Man kann es sich anschauen.“ Die HAN arbeitete mit Sweco und anderen Unternehmen zusammen, und dank der Unterstützung der Provinz Gelderland konnte das Projekt realisiert werden.
Kreislaufwirtschaft in der Bildung
Nachhaltigkeit ist in nahezu allen Studiengängen verankert. Karin hat eine Bestandsaufnahme der Kurse erstellt, in denen das Thema Kreislaufwirtschaft behandelt wird. Im Fachbereich Architektur gibt es beispielsweise eine Reihe von Informationsveranstaltungen zum zukunftsfähigen Bauen mit Themen wie biobasiertes und passives Bauen. „Passivbau bedeutet, dass ein Gebäude sich selbst warm und kühl hält, ohne großen Einsatz von Haustechnik. Das spart Energie.“
Die HAN bietet diese Kurse für Fachleute aus der Praxis an, beispielsweise für politische Entscheidungsträger in Kommunen und Bauberater. „Wir wollen jetzt etwas verändern, nicht erst in vier Jahren, wenn die ersten Studierenden ihren Abschluss gemacht haben.“
Für Studierende, die sich weiter vertiefen möchten, gibt es Nebenfachstudiengänge wie „Biobased Innovations“ und „Kreislaufwirtschaft“. „Fast jede Fachrichtung bietet eine Spezialisierung, mit der man aus seinem Beruf heraus zu einer saubereren Welt beitragen kann.“
Befürwortung
Auch auf der Ebene der Politik und Interessenvertretung ist die HAN aktiv. Seit Kurzem ist die Hochschule Mitglied der „Nederlandse Vereniging Circulaire Economie“, einem Lobbyverband für Unternehmen, die kreislaufwirtschaftlich arbeiten wollen, dabei aber auf gesetzliche Vorschriften und Regelungen stoßen.
„Wir sind neben der Hochschule Amsterdam die zweite Bildungseinrichtung, die Mitglied ist. Das ist etwas Besonderes. Wir wollen unsere Verantwortung wahrnehmen und zum Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft beitragen.“

