Die Wageningen Academy ist Teil der Wageningen University & Research und spielt eine Schlüsselrolle bei der Fortbildung von Fachkräften im Ernährungsbereich. Wie können diese die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in ihrer Praxis anwenden? Astrid Kühlkamp, Programmmanagerin für Food, Nutrition, Health & Technology, erläutert, wie die Academy mit einem breit gefächerten und vertiefenden Angebot auf die Bedürfnisse von Fachkräften sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Lebensmittelindustrie eingeht.
Lebensmittel und Ernährung
„Es gibt einen Unterschied zwischen Lebensmitteln und Ernährung“, erklärt Kühlkamp. „Bei Lebensmitteln geht es um die Prozessseite – man denke an Produktentwicklung und Technologie –, während sich Ernährung auf Gesundheit und Pflege konzentriert.“ Diese Zweiteilung spiegelt sich in unterschiedlichen Zielgruppen wider: von Qualitätsmanagern und Verfahrenstechnikern bis hin zu Hausärzten und Ernährungsberatern. „Es ist schön, dass wir beide Seiten abdecken können.“
Kühlkamp selbst hat einen Hintergrund als Wirtschaftsernährungswissenschaftlerin. „Ich habe Food and Business studiert und in der Lebensmittelindustrie gearbeitet. Dadurch verstehe ich sowohl die gesundheitliche Seite als auch die industriellen Herausforderungen, wie nachhaltige Verpackungen und EU-Rechtsvorschriften.“ Diese Brückenfunktion nutzt sie in Programmen wie „Nachhaltige Verpackungen“ in Zusammenarbeit mit dem FNLI (Verband der niederländischen Lebensmittelindustrie).
Breites und flexibles Angebot
Die Wageningen Academy bietet ein vielfältiges Kursangebot, das von eintägigen Programmen über intensive Summer Schools bis hin zu Online-Mastermodulen reicht. Noch leichter zugänglich sind die kostenlosen MOOCs (Massive Open Online Courses), die sich als Einführungskurse großer Beliebtheit erfreuen.
„Sie finden vollständig online statt und umfassen Wissensclips, Quizze und Aufgaben. Ideal für alle, die sich orientieren oder ihr Wissen auffrischen möchten.“
Für diejenigen, die sich vertiefen möchten, gibt es Campus-Kurse und modulare Masterstudiengänge.
„Man muss nicht den gesamten Masterstudiengang absolvieren. Man kann einzelne Module wählen, die zur eigenen Berufspraxis passen.“
Akkreditierung und Pünktlichkeit
Für Fachkräfte im Gesundheitswesen sind Fortbildungspunkte unerlässlich. „Wir sorgen dafür, dass unsere auf das Gesundheitswesen ausgerichteten Programme diese Anforderungen erfüllen“, sagt Kühlkamp.
Gleichzeitig ist das Angebot auf dem neuesten Stand. „Im November organisieren wir einen Kurs zum Thema Ernährung und Gehirnalterung, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Donders-Institut der Radboud-Universität. Dabei kombinieren wir MRT-Untersuchungen mit Ernährungsinterventionen, um kausale Zusammenhänge zu untersuchen. Auch andere Lebensstilfaktoren spielen eine Rolle; daher werden auch entsprechende Forschungsergebnisse der Maastricht University behandelt. Auch eigene Forschungsergebnisse der WUR kommen reichlich zum Tragen. Diese sind zwar teilweise noch nicht abgeschlossen, aber wir geben bereits einen ersten Einblick.“
Wissenschaft anwendbar machen
Was die Wageningen Academy von anderen unterscheidet, ist ihr Schwerpunkt auf der Anwendbarkeit. "Fachleute wollen wissen: Was kann ich morgen bei meiner Arbeit anders machen? Kann ich meinen Patienten anders beraten? Sollte ich die Politik anpassen?" Diese Übertragung von der Wissenschaft in die Praxis ist von zentraler Bedeutung. "Wir behandeln aktuelle Studien, etwa über Omega-3-Fettsäuren und das Kurzzeitgedächtnis, und diskutieren, was das zum Beispiel für Ernährungsberater, Neurologen oder die Nahrungsergänzungsmittelindustrie bedeutet."
Interaktives Lernkonzept
Neu ist das interaktive Lernkonzept, das im November eingeführt wird. „Am Ende des Tages wollen wir gemeinsam zu dem Schluss kommen: Das haben wir gelernt, und so können wir es anwenden.“ Der Tag besteht aus Plenarsitzungen, Parallelsitzungen, einer Podiumsdiskussion und viel Interaktion mit und zwischen den Teilnehmern. „Wir stellen Fragen, die immer konkreter werden. So erarbeiten wir gemeinsam praktische Empfehlungen.“
Die Gruppen bleiben bewusst klein – durchschnittlich etwa dreißig Teilnehmer –, um die Interaktion zu fördern. „Wir nutzen auch Abstimmungen, um Input von den Teilnehmern zu sammeln. So entsteht ein echter Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis.“
Gesundheit und Erwerbsbeteiligung
Kühlkamp stellt eine interessante Verbindung zwischen einem gesunden Lebensstil und der Erwerbsbeteiligung her. "Wir leben zwar länger, aber nicht unbedingt gesünder als früher. Infolgedessen scheiden unter anderem Pflegekräfte früher aus, und die Zahl der kranken und pflegebedürftigen Menschen steigt", argumentiert Kuhlkamp. "Wenn man will, dass die Menschen weiter arbeiten, muss man in die Prävention investieren. Und dabei spielt die Ernährung eine Schlüsselrolle". Sie fordert mehr Aufmerksamkeit für die Lebensstilmedizin und ein besseres Gleichgewicht zwischen Pflege- und Präventionsbudgets.
Verbindung von sozialer und exakter Wissenschaft
Wageningen verfügt über zwei relevante Lehrstuhlgruppen: Human Nutrition (mit Schwerpunkt auf Ernährung und Gesundheit) und Consumption and Healthy Lifestyle (mit Schwerpunkt auf Verhalten und Umwelt). „Die erste ist die ‚harte‘ Seite der Wissenschaft: Was bewirkt Ernährung im Körper? Die zweite ist die ‚weiche‘ Seite: Wie beeinflusst die Umgebung deine Entscheidungen?“ Darüber hinaus betreibt Food & Biobased Research viel angewandte Forschung – meist gemeinsam mit Partnern – rund um Lebensmittel und Ernährung.
Kuhlkamp möchte beide Welten in integrierten Studiengängen zusammenführen. „Das ist das Besondere an Wageningen: Wir können Verhaltensänderungen und biomedizinisches Wissen miteinander verbinden.“
Strategien für Verhaltensänderungen
Ein Beispiel für einen solchen verhaltensorientierten Ansatz ist die „Wenn-Dann-Strategie“. „Das ist eine Selbstmanagementtechnik: Wenn ich Hunger habe, dann nehme ich mir einen Apfel. Oder: Wenn mir langweilig ist, dann gehe ich zehn Minuten spazieren.“ Solche Strategien werden untersucht und erweisen sich als wirksam. „Fachleute können sie erlernen und an ihre Klienten weitergeben.“
Auch soziale Normen spielen eine Rolle. „In einem Experiment bei einem Bäcker zeigte sich, dass Menschen schneller ein Osterei aus einer Schale nehmen, wenn daneben kleine Zettel liegen – dann wirkt es sozial akzeptiert. Das kann man auch positiv nutzen: Zeige, dass Menschen Snackgemüse wählen, und andere folgen diesem Beispiel.“
Nachfrage aus der Praxis
Kühlkamp ist offen für Fragen von allen, die im Bereich Ernährung tätig sind. Bei großer Nachfrage nach einem Thema kann das Bildungsangebot entsprechend angepasst werden.
Kontakt:
E-Mail: astrid.kuhlkamp@wur.nl
Tel.: 06 4383 5600


