MKB Datalab-Oost ist eine Initiative der Radboud Universität und der Universität Twente, die KMU im Osten der Niederlande dabei hilft, das Potenzial von künstlicher Intelligenz und Daten zu nutzen. KI- und Data-Science-Studenten führen KI-Projekte durch (6-10 Wochen) oder arbeiten als Data Buddy (45 Stunden intensiv vor Ort).
In dieser Serie berichten Studenten über ihre Erfahrungen in Unternehmen der Lifeport-Region. Von schnellen Gewinnen bis hin zu strategischen Einsichten: Ihre Geschichten zeigen, dass KI kein Hirngespinst ist, sondern bereits heute für regionale KMU einen Unterschied macht.
Tom van Klaarbergen, Masterstudent im Fach KI an der Radboud-Universität, wurde vom MKB Datalab-Oost mit dem Gebläse- und Kompressorspezialisten Aerzen Nederland in Duiven zusammengebracht. Als „Databuddy“ verschaffte er sich einen Überblick über die verfügbaren Daten des Unternehmens, untersuchte praktische Anwendungsmöglichkeiten von KI und arbeitete diese Möglichkeiten klar und umsetzbar aus. Das Ergebnis: ein konkreter Projektvorschlag, mit dem AERZEN sofort loslegen kann.
Bei AERZEN skizzierte Tom sechs konkrete Themen, die er als „Databuddy“ untersuchen wollte. Gemeinsam mit dem Unternehmen, das industrielle Gebläse und Kompressoren für Fabriken weltweit herstellt, wählte er daraus drei vielversprechende Projekte aus. In nur 45 Stunden brachte er Klarheit in die KI-Ziele des Unternehmens.
Lagerverwaltung auf dem Prüfstand
Tom befasste sich zunächst mit der Bestandsverwaltung und der Anbindung an die Rechnungsstellung. „AERZEN hatte dies bereits gut organisiert, aber ich wollte prüfen, ob wir den Prozess noch effizienter gestalten könnten“, erzählt Tom. „Indem wir den Prozess vollständig analysierten, entdeckten wir clevere Optimierungsmöglichkeiten, von denen mehrere Abteilungen profitieren. Das Interessante daran: Diese Quick Wins hätten wir auch ohne KI realisieren können. Manchmal führt schon ein frischer Blick von außen zu sofortigen Ergebnissen.“
Tom van Klaarbergen
Voraussagen statt reagieren
„AERZEN produziert Industriegebläse, die für Produktionsprozesse von entscheidender Bedeutung sind“, erklärt Tom. „Mit Predictive Maintenance lassen sich Wartungsmaßnahmen auf der Grundlage von Sensordaten vorhersagen. Das Unternehmen verfügt über eine Fülle von Daten: Technikerberichte, Teileaustausch, die gesamte Servicehistorie. Wir sahen Chancen, diese wertvollen Informationen noch intelligenter zu nutzen.“
Toms Analyse: „KI-Algorithmen erkennen automatisch Muster in dem umfangreichen Datensatz. Dadurch lässt sich die Wartungsplanung optimieren und potenzielle Probleme noch früher erkennen. Das bringt einen konkreten Mehrwert: exzellenten Service für Kunden und die Möglichkeit, proaktive Wartungsverträge anzubieten.“
Smarter Büroalltag
Das dritte Thema, an dem sich Tom die Zähne ausbiss, waren die Möglichkeiten der KI-Unterstützung für die Büroarbeit. AERZEN nutzt Microsoft Business Central, das sich nahtlos in die Office-Umgebung integriert. "Der Wechsel zu Microsoft Copilot macht Sinn", sagt Tom. "Es funktioniert mit den Tools, die sie bereits nutzen, wie Excel, Outlook und Teams. Copilot kann sofort bei täglichen, wiederkehrenden Aufgaben helfen: E-Mails beantworten, Angebote schreiben, Dokumente zusammenfassen."
Frieden in der KI-Ambition
In kurzer Zeit musste Tom viele neue Begriffe lernen, um sich mit der Fachsprache von AERZEN vertraut zu machen. Im Gegenzug brachte er neues Wissen nach Duiven: „Ich habe bei den Mitarbeitern noch viel Unwissenheit über KI festgestellt. Einige nutzen zwar bereits ChatGPT, aber für die Unternehmensprozesse wird damit noch wenig angefangen.
Toms wichtigster Beitrag bestand darin, Ruhe in die KI-Ambitionen zu bringen: „Unternehmen werden mit Möglichkeiten überschwemmt. Meine Aufgabe war es, aufzuzeigen, womit AERZEN konkret beginnen kann. Sonst läuft man Gefahr, dass es zu vereinzelten Experimenten ohne Folgemaßnahmen kommt.“
Wertvolle Einblicke
In seiner Abschlusspräsentation gab Tom dem Unternehmen einen klaren Fahrplan für die Zukunft. AERZEN hat bereits angedeutet, dass es an einem Folgeprojekt interessiert ist. Hans Karreman, Director Operations AERZEN Netherlands: "Die Zusammenarbeit mit der Radboud Universität war von Anfang an offen und transparent. Ihr Enthusiasmus, AERZEN Niederlande den Weg in der KI zu zeigen, war ansteckend. Databuddy Tom lieferte uns wertvolle Erkenntnisse, die wir konkret umsetzen können. Wir freuen uns auf die Folgephase, in der wir KI gezielt auf ein bestimmtes Thema anwenden werden."
Tipp für andere KMU
Tom hat auch einen klaren Rat für andere Unternehmen: Beginnen Sie mit einer Masterclass bei SME Datalab-Oost, um herauszufinden, was KI für Ihr Unternehmen tun kann. Lassen Sie dann einen Studenten untersuchen, wo KI eingesetzt werden kann, um sich wiederholende Prozesse intelligenter zu machen. "Mit KI lässt sich eine ganze Menge machen", sagt Tom abschließend. "Aber man muss wissen, wo man anfangen soll."


