Die Simulation Crew in Nijmegen ist kein herkömmliches Technologieunternehmen. Es ist ein Ort, an dem Bildung, Pflege und Technologie zusammenkommen, auch im wörtlichen Sinne, denn, so Direktor Edward Bosma, es funktioniert einfach besser, "wenn man einfach über die Straße gehen kann", um mit Partnern zu sprechen. Seit dem Umzug aus einem alten Gebäude im Stadtzentrum von Nijmegen in die Campusumgebung (Campus Heyendaal) fühlt sich das Unternehmen mehr als Teil eines Ökosystems.

Von der TU Delft zu virtuellen Patienten
Bosmas Weg zu dieser Arbeit begann mit Industriedesign an der TU Delft.
"Ein Studium an der Schnittstelle von Mensch und Technik. Ich habe mich vor allem auf die Interaktion zwischen Mensch und Computer, Ergonomie und Systeme konzentriert."
Nach seinem Studium arbeitete er bei Océ (jetzt Canon) in Venlo in einem riesigen Forschungs- und Entwicklungsumfeld, in dem mehr als tausend Ingenieure arbeiteten. Es war eine großartige Lernerfahrung, aber auch ein Ort, an dem man "einer von dreizehnhundert" war. Bosma sehnte sich nach mehr Raum für Strategie, Inhalt und Innovation.
Ein Wechsel zu einem kleineren Unternehmen – gegründet von dem späteren Geschäftspartner, mit dem er 2017 „The Simulation Crew“ ins Leben rief – brachte ihn mit der „Learning-by-Doing“-Technologie in Berührung. „Damals erstellten wir Simulationen für alles Mögliche: von Fluglotsen bis hin zu Kommissionierern. Noch keine VR, aber schon die Idee, dass man Fähigkeiten am besten erlernt, indem man sie in einer sicheren Simulation übt.“
Die Kraft von VR und Soft Skills
Als Bosma mit seinem Geschäftspartner im Jahr 2020 einen neuen Kurs einschlug, war klar: Sie wollten nicht länger eine Fabrik für Sonderanfertigungen sein, sondern ihre eigenen Produkte entwickeln. Und vor allem: die Kombination von VR, Soft Skills und Gesundheitswesen nutzen.
"VR ist der Superlativ der Immersion", schwärmt er. In einer VR-Umgebung kann man sich voll und ganz auf die Situation konzentrieren, es gibt keine Ablenkungen und man kann sich stark auf die Situation einlassen - genau das, was man beim Training von Kommunikationsfähigkeiten braucht. Denn anders als Wissen lernt man Soft Skills nicht aus einem Buch. Man muss sie üben.
Und genau das macht The Simulation Crew möglich:
- Sie befinden sich in einem virtuellen Raum.
- Vor Ihnen steht ein Avatar: ein Patient, ein Kunde, ein Student oder ein Mitarbeiter.
- Sie führen ein echtes Gespräch, mit natürlichen Emotionen und nonverbalem Verhalten.
- Der Avatar antwortet auf der Grundlage Ihrer Worte, Ihres Tons und Ihrer Absicht.
Die Magie steckt dabei unter der Motorhaube: Die KI analysiert, was Sie sagen, und generiert eine passende Antwort. Das Sprachmodell ist nicht zufällig, sondern wird von klaren Anweisungen geleitet, die auf von Experten formulierten Lernzielen und Kommunikationsregeln basieren. Bosma ist sich sicher: "Wir überlassen die Bewertung nicht der KI. Das geht schief. Die KI sorgt für natürliche Konversationen, aber wir entwickeln die inhaltlichen Rahmenbedingungen."

Motivierende Befragung: internationales Potenzial
Einer der beliebtesten Ausbildungskurse ist der Kurs "Motivierende Gesprächsführung". Diese Gesprächstechnik wird weltweit in den Bereichen Gesundheitswesen, Coaching, Bildung und Verhaltensänderung eingesetzt. "Es geht um Autonomie, Erkundung, gemeinsame Motivationsfindung", erklärt Bosma.
Die Ausbildung wurde gemeinsam mit einer Reihe von Wissenspartnern entwickelt: Radboudumc, der Hogeschool van Amsterdam, der HAN und verschiedenen Lektoraten. In Expertenrunden bringen sie praktische Erfahrungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Didaktik zusammen.
"Diese Zusammenarbeit ist wichtig", sagt Bosma. "Wir haben nicht das gesamte Fachwissen im Haus. Aber indem wir gemeinsam intensiv entwickeln, schaffen wir Produkte, die inhaltlich richtig sind und didaktisch funktionieren."
VR-Brille zum Mitnehmen
Die Simulations-Crew arbeitet inzwischen mit rund zehn Fachhochschulen, mehreren ROCs und einer wachsenden Gruppe von Gesundheitseinrichtungen zusammen.
Ein praktisches Beispiel kommt von der HAN: Dort bekommt jeder Student in den Studiengängen Gesundheit und Soziales eine VR-Brille mit nach Hause.
"Wie bei einem Smartphone befindet sich unsere App darauf", erklärt Bosma. Die Studierenden üben zu Hause Patientengespräche, erhalten sofortiges Feedback und verfolgen ihre Entwicklung über ein Learning Analytics Dashboard. Die Lehrkräfte sind weiterhin involviert, allerdings auf andere Art und Weise: weniger Rollenspiele, dafür mehr Coaching zur Reflexion.
Bosma zufolge ist der Unterschied zu traditionellen Rollenspielen enorm:
- Kein Unterricht zu sehen.
- Keine teuren Akteure.
- Keine erfundenen Situationen.
- Unbegrenzte Wiederholungen in einer sicheren Umgebung.
Und was vielleicht noch wichtiger ist: Es ist skalierbar. "Man investiert einmal in Hardware und ein Abonnement, danach kann man unbegrenzt üben."
Neue Entwicklung: ein virtueller Coach
Der nächste Schritt von The Simulation Crew ist die Hinzunahme eines virtuellen Coaches.
Nach einem Gespräch mit einem Patienten wird bald ein Coach-Avatar erscheinen und Ihr Feedback mit Ihnen besprechen. Kein trockener Text mehr, sondern die Möglichkeit für den Studenten, Fragen zu stellen:
- Warum war dies keine offene Frage?
- Wie hätte ich noch einfühlsamer reagieren können?
- Können Sie ein Beispiel aus dem Gespräch anführen?
"Der Coach weiß genau, was Sie gesagt haben", sagt Bosma stolz. "Das macht den Lernprozess viel intensiver."
Kleines Team, große Vision
Mit einem Team von acht Personen kümmert sich Bosma um alles: Strategie, Design, Technologie und Konzeptentwicklung. "Das ist es, was mir am besten gefällt: mitdenken und mitbauen."
Was The Simulation Crew einzigartig macht
- Realistische VR-Gesprächssimulationen, die Soft Skills trainieren
- Bewusster Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) dort, wo sie einen Mehrwert schafft, unter Berücksichtigung von Einschränkungen, Datenschutz und Sicherheit.
- Zusammenarbeit mit Wissensinstituten für die Qualität der Inhalte
- Schwerpunkt auf Gesundheitswesen und Bildung, aber breiter anwendbar
- Skalierbar, effektiv, sicher und motivierend
Wenn man Bosma fragt, steht das Unternehmen erst am Anfang. "Das funktioniert für Studenten, für Fachleute im Gesundheitswesen, für jeden, der kommuniziert. Also im Grunde für jeden."
Und genau das ist die Stärke von The Simulation Crew: Technologie dort einzusetzen, wo sie einen Mehrwert bietet, nicht um der Technologie selbst willen, sondern um Menschen zu helfen, besser zu lernen.


