Lifeport ist die Region in den Niederlanden, in der außergewöhnliche Technologien Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen bieten. So entwickelte beispielsweise der iHub der Radboud-Universität einen Prototyp für die digitale Stimmabgabe. Auch wenn diese Technik bei den Kommunalwahlen noch nicht zum Einsatz kommt, ist sie ein schönes Beispiel für die Innovations- und Forschungskraft dieser Region.
Wir können fast alles über das Internet regeln. Dennoch stehen wir am 16. März ganz normal mit einem roten Bleistift in der Wahlkabine, wenn wir unsere Stimme abgeben. Geht das nicht auch online? „Nein“, sagen Forscher des iHub, die sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft beschäftigen. Ihrer Meinung nach ist es unklug, eine politische Wahl über das Internet zu organisieren.
Testgelände des iHub
Das ist jedenfalls die Schlussfolgerung des Forschungsteams um Bernard van Gastel. Neben seiner Tätigkeit als Dozent für Informatik an der RU ist er Leiter von iLab: dem experimentellen Testfeld von iHub. Innerhalb von iHub arbeitet er mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen zusammen. So kommen nicht nur die Informatik, sondern auch Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaften zum Tragen.
Bei iHub werden kontinuierlich die Auswirkungen digitaler Lösungen auf die Gesellschaft untersucht. Heutzutage sind sehr viele Systeme von Unternehmen, dem gemeinnützigen Sektor und der öffentlichen Verwaltung digitalisiert. Viele Entscheidungen werden automatisiert auf der Grundlage von Algorithmen getroffen. Und deshalb muss man laut Van Gastel genau prüfen, was mit den Menschen geschieht, wenn man diese Technik einsetzt. Wie sorgt man dafür, dass die Nutzung sicher ist, wie begrenzt man das zunehmende Risiko von Datenlecks oder Datendiebstahl? Und wie stellt man sicher, dass die menschliche Dimension erhalten bleibt?
Projekt Voice
Kürzlich wurde bei iLab ein Prototyp für die Stimmabgabe über das Internet entwickelt. Dieser wurde im Rahmen eines Pilotprojekts mit den Gemeinden Amsterdam und Groningen evaluiert. Die Frage war, inwieweit die digitale Stimmabgabe bei der Online-Bürgerbeteiligung funktioniert, beispielsweise bei Abstimmungen über einen Stadtteilplan oder über die Gestaltung einer Straße durch die Anwohner. „Aus diesem Pilotprojekt können wir dann Schlussfolgerungen für Kommunal- oder Landeswahlen ziehen“, sagt Van Gastel. Das Wählen von zu Hause aus über den Computer ist technisch nicht besonders kompliziert. Allerdings sind damit Risiken verbunden.
Im Rahmen des Projekts nutzten die Forscher die IRMA-App, die von iHub gemeinsam mit der Stiftung „Privacy by Design“ entwickelt wurde. Dabei handelt es sich um eine App, in die man Daten wie Adresse und Geburtsdatum eingeben kann. Wenn eine Anwendung diese Daten benötigt, zeigt die IRMA-App nur das an, was unbedingt notwendig ist. Also beispielsweise das Alter anstelle des Geburtsdatums und den Wohnort anstelle der vollständigen Adresse. Dadurch wird die Privatsphäre besser geschützt. „Ähnlich wie bei analogen Wahlen besteht die Internetwahl aus zwei Schritten. Zunächst wird die Wahlberechtigung überprüft und eine anonyme Wahlkarte ausgehändigt. Anschließend kann der Wähler diese Stimmkarte an einem anderen Ort abgeben und seine Wahl treffen. So können wir das Wahlgeheimnis gewährleisten“, erklärt Van Gastel.
Wahlfreiheit aufgrund des festen Standorts
„Das Problem bei Wahlen liegt nicht im digitalen Aspekt, sondern darin, dass die Stimmabgabe nicht an einem bestimmten Ort stattfindet“, sagt Van Gastel. Durch die Stimmabgabe an einem physischen Ort wird nahezu ausgeschlossen, dass andere Stimmzettel einsammeln und ausfüllen, da eine Identitätskontrolle stattfindet. „Durch die Stimmabgabe vor Ort ist die Wahlfreiheit gewährleistet“, so Van Gastel. „Und es lässt sich besser überprüfen, ob die eigene Stimme gezählt wurde. Ein analoges Wahlsystem genießen die Menschen mehr Vertrauen.“
Obwohl digitales Wählen technisch also möglich ist, spricht sich Van Gastel gegen politische Wahlen über das Internet aus. „Bei der Diskussion um moderne Wahlverfahren geht es schnell darum, welche Technik am besten eingesetzt werden kann, anstatt um die Anforderungen, die an die Wahl gestellt werden. Das Wahlgeheimnis können wir recht gut gewährleisten, nicht aber die Freiheit, den Kandidaten seiner Wahl zu wählen. Die Diskussion sollte sich darum drehen, wie wichtig uns diese Freiheit ist. Die Technik kann dann folgen.“
iHub und Lifeport
Bei iHub verknüpfen die Forscher daher gesellschaftliche Fragestellungen mit neuen Entwicklungen. Nicht nur im Bereich Cybersicherheit, sondern auch in den Bereichen Gesundheit und Künstliche Intelligenz. Die Projekte zur Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie zu Datenschutz und Sicherheit in der medizinischen Forschung sind zwei spannende Beispiele hierfür. So spielt iHub eine wichtige Rolle innerhalb des Netzwerks von Lifeport: der innovativen Region in den Bereichen Gesundheit, Hightech, Ernährung und Energie.
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